Verein Burg Spangenberg e.V.


   700 Jahre Burg Spangenberg
1317 - 2017

Wenn auf Burg Spangenberg die Fahne im Wind weht sind Besucher herzlich willkommen.

Während der Öffnungszeiten der Burgschänke ist die Unterburg frei zugänglich. Der Rest der Burg (Mittel- und Oberburg) kann nur in Begleitung eines Vereinsmitgliedes betreten werden. Leider wurde in der Vergangenheit immer wieder Schaden auf der Burg angerichtet, deshalb ist die Burg verschlossen. Wenn Interesse an einer Burgbesichtigung besteht, wenden Sie sich bitte an einen der Diensthabenden in der Burgschänke. Wenn es der Betrieb in der Burgschänke erlaubt wird Sie gerne jemand zur Oberburg begleiten.

Möchten Sie einen geführten Rundgang durch die Burg oder eine geführte Wanderung auf dem 3-Burgen-Rundweg mit einem zertifizierten Gästeführer dann wenden Sie sich bitte an Herrn Thomas Buschlinger – buschlinger@gefuehrt-vg-lambrecht.de.   

Die Burgschänke ist ab dem 18. Dezember bis einschließlich 16. März 2018 geschlossen.

Sonderveranstaltungen und Burgführungen sind auch ausserhalb der regulären Öffnungszeiten möglich!


Hinweise:
  1. Die Burg ist über den Alten Burgweg nur zu Fuß zu erreichen. PKW-Zufahrten (durch den Wald) bedürfen in jedem Falle unserer Zustimmung; eine Buszufahrt ist grundsätzlich nicht möglich.
  2. Der Aufstieg ist ausgeschildert. Er dauert etwa 10 Minuten
    (bei ca. 80 m Höhendifferenz). 
  3. Bei Dunkelheit wird der Alte Burgweg beleuchtet.

Burg Spangenberg - Geschichtlicher Rückblick

Aus der Gründungszeit

Burg Spangenberg wurde der Sage nach vom Wilden Kaspar im fernab liegenden, menschenleeren Speyerbachtal errichtet. Den Zusatz "wild" erwarb er sich vermutlich dadurch, dass er - nach vollendetem Burgbau - alle seine Handwerker zu einer großen Abschlussfeier einlud, mit reichlich Speis und Trank, und als alle mehr oder weniger trunken am Boden lagen, zündete er die Bauhütte, in der das Gelage stattfand, an; keiner entrann den Flammen - Existenz und Lage der Burg waren und blieben verborgen

Wesentlich konkreter ist der Geschichtsschreiber Philipp Simonis, der in der Historische Beschreibung aller Bischoffen zu Speyr, so viel deren von Anfang biß auff diese Zeit, etc, etc [2. Auflage, 1773] in seiner Vita über Johannes I., 34. Bischof von Speyer in den Jahren 1090-1104, schreibt: Also fielen des Geschlechts Güter mehrerteils, Nämblich das Schloß Kestenberg, Maistersell, Diedesheim, [ ] ein theil an dem Schloß Spangenberg, [ ] an den jeweiligen Bischof zu Speyer. Dieses Testament soll am 6. Januar 1100 ausgestellt worden sein. Ein anderer Geschichtsschreiber, Eysengrein, berichtet es fast ebenso. Das Dilemma ist bloß, dass es diese Urkunde nicht gibt. Demzufolge ist der Aussagewert der Burggründung vor 1100 umstritten und fragwürdig.
Tatsache ist, dass man bis heute weder den Bauherrn noch die Erbauungszeit von Burg Spangenberg kennt.
Weiter bleibt allgemein festzuhalten, dass es im Elmsteiner Tal nie ein Geschlecht "von Spangenberg" gab. Spangenberg war stets eine reine Lehensburg, auf der die Bischöfe von Speyer meist Angehörige des Niederadels als Verwalter einsetzten.

Die Zeit bis zum Ausbruch des 30-jährigen Krieges [1618]

Die ersturkundliche Nennung stammt aus dem Jahre 1317. Am 19. Februar jenes Jahres gab Bischof Emich die Burg an den Ritter Diether Zoller zum Lehen für seine dem Hochstift erwiesenen Dienste. Auch in einem anderen Zusammenhang ist jene Lehenurkunde bedeutsam, weil dem Ritter offiziell erlaubt wurde, einen größeren Geldbetrag in die Burg und deren Zubehörden zu investieren. Obwohl keine weiteren konkreten Angaben in der Urkunde zu finden sind, wird als sicher angenommen, dass mit diesem Geld die Burganlage wesentlich erweitert wurde. Man kann davon ausgehen, dass ab 1317 die Blütezeit der Burg begann.
Das Jahr 1385 stellt - für damalige Verhältnisse - eine Besonderheit dar. Damals erfolgte die Lehenvergabe an den jüdischen Bürger Kaufmann aus Speyer - ein Nicht-Adliger in bischöflichen Diensten und noch ein Jude dazu! Die Gründe für diesen Schritt sind komplex. Vereinfachend kann man sagen, dass der damalige Bischof Adolf [1371-1381; bis 1389 Erzbischof von Mainz] unter schwerer Geldnot litt und sein finanzielles Heil bei den Juden suchte; denn Letztere waren die Einzigen, die kapitalstark waren. Diese Lehensvergabe endete nach sechs Jahren.
In der Folgezeit wird Spangenberg urkundlich häufig erwähnt.
Wichtig ist das Jahr 1470. Damals tobt die so genannte Weißenburger Fehde (Kurfürst Friedrich I. gegen den Herzog von Zweibrücken), in deren Verlauf erst Burg Erfenstein zerstört wird, bevor sich die Leininger an Spangenberg rächen. Zehn Jahre lang bleibt Spangenberg Ruine und unbewohnt, danach Wiederaufbau durch den Ritter Engelhard von Neipperg. Burg Erfenstein blieb seitdem Ruine.
Doch die Zeiten hatten sich geändert. Das Rittertum befand sich auf dem Abstieg und mit ihm die repräsentative und strategische Bedeutung der Burgen.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass ab 1505 die Burg ihre strategische Bedeutung (s. auch Warum gibt es so viele Burgen im Elmsteiner Tal?) gänzlich verlor, indem im Burgfrieden ein Gestüt angelegt wurde und die so genannten Stutmeister die Burg als Wohnung zugewiesen bekamen (s. auch Umgebung von Spangenberg, Stutgarten). In der Folge versahen hier insgesamt neun Stutmeister zwischen 1505 und 1618 (urkundlich 1604) ihren Dienst. Das Erfreuliche daran: Burg Spangenberg lebte weiter; die Gegenburgen Erfenstein und Breitenstein verfielen.

Beginn der Neuzeit bis 1900

Der 30-jährige Krieg, der für die Pfalz mit einer unbeschreiblichen Menschenleere endete, läutete auch für Spangenberg den Untergang ein. Der Chronist F. J. Dochnahl berichtet in seiner Chronik von Neustadt an der Haardt nebst den umliegenden Orten und Burgen [1867]: Mansfeld (= Ernst II., Graf von Mansfeld, im Dienste des Herzogs Emanuel I. von Savoyen) nimmt dagegen alle bischöflichen Dörfer weg, gibt alles den Soldaten preis, plündert, sengt und brennt, besonders Spangenberg [ ].
Weitere Kriegsereignisse in der Pfalz im Zusammenhang mit dem Pfälzer Erbfolgekrieg führen zur endgültigen Zerstörung von Spangenberg. Der zuvor zitierte F. J. Dochnahl vermerkt unter der Jahreszahl 1688: Auch die Burg Spangenberg wird niedergebrennt und zerstört. Ab diesem Zeitpunkt ist die Ruine endgültig dem Verfall preisgegeben, was aber nicht bedeutet, dass sie völlig aus der Berichterstattung verschwindet. Besonders im Zusammenhang mit Verpachtungen des Spangenberger Hofes berichtet eine Kopie vom 15. April 1722 im Landesarchiv Speyer unter anderem von den Bedingungen [ ] und zwar schriftlichen cum quibus Conditionibus (= unter welchen Bedingungen) diesen Hof zu verlehen wäre,
1. Diesen Hof, so unten am Berg vom Spangenberger Schloß ligt, hat eine gemeine kleine Wohnung for einen Hofmann, samt Scheunen und Stallungen [ ].
In den Jahren 1746/48, als sich die Vorderpfalzdörfer Hambach und Lachen wegen Holznutzungsrechten in den umliegenden Forsten in den Haaren liegen, wird die Ruine nochmals häufig in Protokollen genannt.

Das 20. Jahrhundert

1900 wird die Gemeinde Lachen ins Grundbuch als Eigentümerin der Burgruine eingetragen. Burgenromantik und aufkommender Nationalstolz waren an ihr bis dahin vorbei gegangen.
Doch ab 1924 regte sich neues Leben auf Spangenberg. Unter Leitung von K. R. Weintz nahmen sich die Deutschwandervögel der Ruine an. Aus einem Interview mit ihm [1996] stammen die folgenden Zitate: Nach einer Notiz im Fahrtenverzeichnis war es der 1. Juni 1924, als zum ersten Mal Mitglieder der Ortsgruppe Neustadt vor Spangenberg erschienen. Was sie vorfanden, war eine völlig zugewachsene Unterburg, aus der sichtbar ein paar Mauerreste und Stützpfeiler herausragten. In der Mittelburg gähnten große Löcher, und die Oberburg war mit normalen Mitteln nicht zu ersteigen. Die Stufen des Treppenturmes waren herausgebrochen, die vorhandene "Hühnerleiter" war so vermodert, dass man sie nicht mehr betreten durfte, und nur mit angelegten Stangen gelangten die jugendlichen Besucher in die Oberburg. Dort lag der Schutt mindestens einen Meter hoch, die Zisterne war verschüttet, die Mauerkanten auf West- und Nordseite abgebrochen; in den Burgkeller konnte man nur kriechend gelangen, und dort erwartete einen wieder Schutt, Schutt. Alles war bewachsen: mit Gras, Büschen; auf und in den Mauern hatten sich Bäume breit gemacht. Einziges Aktionsfeld war die Oberburg. Sie wurde gänzlich von Schutt befreit, wobei der ganze Dreck meist über Nord- oder Südwand abgekippt wurde.
In Verhandlungen mit der Gemeinde Lachen kam 1930 sogar ein Vorvertrag über die einstweilige Nutzung der Ruine zustande. Leider endete dieser sehr lebhafte Teil moderner Spangenberg-Geschichte abrupt, als 1933 alle Jugendverbände zwangsaufgelöst wurden.
Indes ließen die neuen Machthaber die Ruine nicht links liegen. Es gab verschiedene Ausbaupläne, u. a. zu einer Horst-Wessel-Burg als Heim für die Pfälzer Hitler-Jugend. Zu konkreten Maßnahmen kam es aber nicht, und der 2. Weltkrieg ließ erst recht alle Aktivitäten einschlafen.
1963 gilt als weiterer Meilenstein, der vordergründig zunächst nichts mit Spangenberg zu tun hat. Damals lösten sich vom Tafelfels der Erfenstein zwei große Felsbrocken, die glücklicherweise die Häuser der Talsohle nicht erreichten. Doch dieses Ereignis reichte, um auf Erfenstein staatlicherseits massive Sicherungsmaßnahmen durchzuführen.
Dass auch Spangenberg vom Einsturz bedroht war, merkte zunächst niemand, bis einige interessierte Bürger der Umgebung feststellten, dass für Spangenberg ebenfalls galt: Der Uhrzeiger steht auf 5 Minuten vor 12. Es ist höchste Eile geboten. Aus einer Bürgerinitiative ging am 5. Dezember 1971 der Verein Burg Spangenberg e. V. hervor.
Durch die Eingemeindung von Lachen im Rahmen der Gebietsreform fiel die Burg 1968 an die Stadt Neustadt.
In den zurückliegenden mehr als 40 Jahren ist viel auf Spangenberg geschehen. Es wurde konserviert, restauriert und wieder aufgebaut, manchmal zeitlich parallel, dann wieder zeitversetzt. Manchmal zwangen äußere Befunde oder Ereignisse gewisse Baumaßnahmen unverzüglich anzugehen, bevor größeres Unheil drohte, so beispielsweise das Unterfangen der bergseitigen Schildmauer [1984] oder das Beseitigen von Frostschäden im historischen Teil der Ringmauer [1985]. Die Baumaßnahmen inklusiv Burgschänke verschlangen große Geldmengen, die der Verein nur über Kredite herbeischaffen konnte. 1987 wurde die letzte Darlehensrate getilgt. Jetzt zeigte sich der Wert der Burgschänke, die sich immer mehr zur Haupteinnahmequelle des Vereins mauserte.
Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alles im Detail aufzulisten. Wir laden deshalb jeden Interessierten ein, nach Erfenstein zu kommen und sich ein eigenes Bild zu machen. Denn wirklich: Aus einer reinen Ruine ist wieder eine Burg geworden!

Warum gibt es im Elmsteiner Tal so viele Burgen ?

Für jeden Ortsfremden ist es verblüffend, dass es im Elmsteiner Tal auf kürzester Entfernung vier Burgen gibt: Spangenberg, Erfenstein, Breitenstein, Elmstein. Solche Burgendichte ist man nur vom Rhein gewohnt. Warum also baute man ausgerechnet hier diese Burgen?
Dazu muss man ein wenig prinzipieller auf die Motive zum Burgbau eingehen:
  1. Burgen waren Repräsentationsbauten
    Das kommt hier nicht in Frage, weil auf Spangenberg niemand regierte. Hier saßen ausschließlich bischöfliche Untertanen als Verwalter.
  2. Burgen besaßen Schutzfunktion für vorbeiführende Straßen
    Auch Fehlanzeige! Es gab überhaupt keine Talstraße! Die erste echte Straße in unserem Sinne wurde erst in den 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut.
  3. Burgen dienten als Zollstation
    Das ist das Hauptmotiv für den Burgenbau am Rhein, der als Transportachse eine immense Bedeutung besaß. Im Speyerbach konnte man höchstens Fische fangen!
Worin liegt also die Ursache des auch damals aufwendigen Burgenbaus? Ein Blick auf die Landkarte zeigt den einzigen Grund: Im Speyerbachtal stießen drei Territorien mächtiger Herren aufeinander: Die Burgen waren simple Grenzburgen! Sie bewachten und schützten die im Mittelalter kostbaren Wälder in ihrem Hinterland nach dem Motto: Bis hierhin und nicht weiter, mein Freund! Die Burgen waren klein und strategisch von untergeordneter Bedeutung. Sie wurden von einer Verwalterfamilie bewohnt, dazu einige Knechte und Mägde. Höfisches Leben kam nur auf, wenn die Herrschaften hier auf Jagd gingen und in dieser Zeit auf den Burgen Quartier bezogen. Belagerungen und/oder kriegsentscheidende Schlachten haben hier nie stattgefunden. Für ihre Unbedeutsamkeit spricht auch, dass es überhaupt keine mittelalterlichen Abbildungen gibt.

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