Burg Spangenberg

Baugeschichte

Um es gleich an den Anfang zu stellen und Ausdrücklich zu betonen: Von den nachfolgend dargestellten "Tatsachen" gibt es in den seltensten Fällen schriftliche Belege; auch bildliche Darstellungen gibt es erst ab 1825. Die weitaus größte Zahl an Behauptungen beruht auf Beobachtungen und deren Interpretation bzw. aus Analogieschlüssen zu anderen Burgen.
Burg Spangenberg gehört zum Typ der Felsburgen: Der Hauptbau wurde auf einer weit ins Speyerbachtal hinein ragenden Felsspange errichtet; daher die Namensgebung. Verteidigungstechnische und wohnliche Belange ließen die Burg über Jahrhunderte hin auf verschiedenen Höhenniveaus wachsen, so dass wir heutzutage von einer Oberburg, einer Mittelburg sowie einer Unterburg sprechen .Oberburg Sie ist - natürlich! - der älteste Teil der Anlage. Ein genaueres Studium der vorhandenen felsigen Bausubstanz legt nahe, dass der Grat des Schlossberges, in östlicher Richtung vor der Burg gelegen, sich einstens bis auf die talseitige Spitze der Oberburg hin zog. Indem man den Sandstein im Bereich der Zisterne teilweise abarbeitete, zum Teil aber als Südwand des Wohnbaues nutzte und gleichzeitig die West- und Nordseite um ca. 3 m aufmauerte, schuf man sich ein Plateau, auf dem ein Wohnbau errichtet werden konnte. Die so gewonnene Fläche von ca. 110 m2 war dennoch viel zu klein, um sich platzmäßig einen Bergfried leisten zu können. So wich man zu einer anderen Verteidigungstechnik aus: den Bau einer 2,30 m starken Schildmauer. Sie ist in ihrer ursprünglichen Form völlig erhalten.
Der Erstbau war zweistöckig. Später (vermutlich 1317) kam ein 3. Stockwerk hinzu, was man an der eigenartigen Balkenauflagekonstruktion der Südwand entnehmen kann.
Der historische Eingang befand sich auf der Nordseite. Der heutige Durchgang durch die Schildmauer stammt aus der Zeit um 1500, als die Burg ihre wehrtechnische Rolle eingebüßt hatte.
Den historischen Eingang nutzend, führen Steinstufen in die Tiefe, in den so genannten Burgkeller. Unseren Besuchern wird dieser Raum scherzhaft als höchster Keller Neustadts vorgeführt. Das ist natürlich nicht richtig! Dieser Raum stellt die historische Küche der Burg dar. Belege: Es beginnt hier ein Kamin (der heute noch genutzt wird), und es gibt einen weiteren "Keller", eine aus dem Felsen geschlagene Kammer, in die man hinab steigen kann. Das ist augenscheinlich der Vorratsraum, der mittelalterliche Burgkühlschrank. Der Burgkeller ist bauhistorisch äußerst wertvoll: Das Tonnengewölbe stellt noch den Originalzustand dar, wenn es auch modern verfugt ist.
Der heutige Fachwerkbau ist nur ein Schutz für den Kellerabgang. Er wurde 1992/1993 errichtet. Auch die Brüstungsmauern sind größtenteils modern, ebenso die Sandsteinplatten des Bodenbelages. Auf die [Regenwasser-] Zisterne wird in anderem Zusammenhang eingegangen. Mittelburg Steht man in der Mittelburg und blickt in Richtung Oberburg, so wird einem schlagartig die wohl durchdachte Baustrategie der Erbauer bewusst: Die Schildmauer steht auf Fels. Gleich mehrere Anliegen brachte man geschickt unter einen Hut:
  • Indem man den dort einst anstehenden Fels abtrug, schuf man einen Halsgraben, ein wichtiges verteidigungstechnisches Bollwerk.
  • Der Felsuntergrund der Schildmauer macht jeglichen Angriff durch Rammgeräte oder durch Minen illusorisch. 
  • Und man gewann gleichzeitig Baumaterial. Eine idealere Kombination von Steinbruch und Baustelle ist kaum denkbar.
Übrigens: Mit gewissen Annahmen kann man überzeugend zeigen, dass das Volumen des 10 m breiten Halsgrabens an dieser Stelle genau dem Materialbedarf der Oberburg entsprach. Die Mittelburg wird durch eine 2. Schildmauer begrenzt. Ihr Bau wurde quasi durch die Entwicklung neuer Angriffs- und Belagerungstechniken erzwungen. Wieder kann man zeigen, dass das Steinmaterial aus dem Grat des Schlossberges stammt, indem man den Halsgraben weiter nach Osten verschob. Die heutige senkrechte Felswand ist ein Beleg für menschliches Wirken. Die äußere Schildmauer selbst ist ein weiteres Kleinod von Burg Spangenberg: Sie ist in ihrer ursprünglichen, vollen Höhe erhalten. Nur eine Eckspitze wurde 1986 ergänzt. Selbstverständlich besaß auch sie keine Toröffnung. Das heutige Tor wurde nachträglich (vermutlich um 1500) hinein gebrochen; das Holztor stammt aus dem Jahre 1986 und war mehr aus Sicherheitsgründen notwendig.

Die Mittelburg wies ursprünglich eine Bebauung auf. Davon zeugen viele Auflagerlöcher im Burgfelsen. Was hier an Bauten angesiedelt war, kann nicht gesagt werden. Die Ringmauer ist modernen Ursprungs. Sie wurde ab 1982 in mehreren Bauabschnitten errichtet ("immer wenn Geld in der Vereinskasse war"). Sie ist etwa 150 cm niedriger als die ursprüngliche Mauer.
Wichtigster Bau in der Mittelburg ist der historische Treppenturm. Er entstand vermutlich um 1500 in Zusammenhang mit der Schaffung eines neuen, bequemeren Zuganges in die Oberburg. Vom Grundriss her war der Turm sechseckig mit der Tür auf der Nordseite. 29 steinerne Stufen führten auf die Oberburg. Die heutige Treppe (wie übrigens auch der "gotische" Spitzbogen über dem Oberburgeingang) stammen aus der Zeit um 1925. 

Damals waren die Stufen des Treppenturmes komplett herausgebrochen. Um dennoch auf die Oberburg zu kommen, entschied man sich zu einem Treppenneubau. Leider wurden bei dieser Aktion Teile des historischen Treppenturmes zerstört.
Ein bescheidenes Burggärtlein ist heute in der Mittelburg angelegt.
Es liegt in der Natur der Sache, dass es auf einer Felsenburg kaum historische Fundgegenstände gibt. Bei Burg Spangenberg ist das nicht anders. Einzige Ausnahme ist der so genannte Ausgussstein. Seit den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts liegt er im Magazin des Historischen Museums der Pfalz in Speyer; seit 1996 steht eine Kopie davon als Schaustück in der Mittelburg.
Der längliche, 53 cm hohe Sandsteinblock zeigt auf der schmaleren Blickseite einen Kopf. Zwei große, aufgestellte Ohren fallen auf. Der Mund dient als Ausflussöffnung. Im Stein - von oben gesehen - befindet sich auf der dem Kopf gegenüber liegenden Seite eine breite Rinne, an der sich mittig zwei rechteckige Becken unterschiedlicher Tiefe anschließen.
Bestimmt war dieser Stein kein Waschbecken - aber was sonst?

Der Zufall brachte es ans Tageslicht. Im Kommissionsprotokoll Nr. 2 vom 24. April 1748 zur Untersuchung der Waldstreitigkeiten zwischen Hambach und dem Hochstift Speyer steht geschrieben: [ ] der Bronnen, 400. Gäng hinter dem Schloß gelegen, besichtigt und befunden [ ] Vor dem Eingang des Schlosses in dem Vorhöflein stehet ein steinerner Sarg, wo hienein vor Zeiten gedachter Bronnen geleitet ware.
Also war besagter Ausgussstein, besser Ausflussstein, das burgseitige Ende der Deichelleitung! Inzwischen wissen wir auch, dass er in die Ringmauer der Mittelburg eingelassen war, und zwar mit der Gesichtsseite nach innen zeigend.
Ein weiteres Schaustück ist erwähnenswert, obwohl es nicht von der Burg stammt: ein Stück Deichelleitung. Deichel ist der Fachausdruck für ein hölzernes Rohr. Indem man ein Stück eines Baumes axial durchbohrte und das eine Ende mit einer Muffe versah, gewann man durch Aneinanderfügen solcher Teilstücke eine Wasserleitung. Eine solche Verbindung bestand einstens zwischen Mittelburg und Burgbrunnen (s. auch Wasserversorgung von Burg Spangenberg). Unterburg Dieser Burgteil liegt höhenmäßig am Fuße von Ober- und Mittelburg und ist der jüngste Burgbereich. Hier war der Verfall am weitesten voran geschritten. Als der Verein die Burgruine unter seine Fittiche nahm, war dieses Areal eine reine Busch- und Waldlandschaft, aus der an manchen Stellen einige Mauerreste hervorragten. In den Jahren 1974/75 wurde dieses Gelände in freiwilligen Arbeitseinsätzen frei gelegt und von Schuttmassen befreit. 

Mittelalterliche Gegenstände wurden nicht geborgen, geschweige denn Schätze. Bei der Sicherung der Mauerreste ging man äußerst behutsam vor, indem Ausgrabungen zum Teil mit bloßen Händen durchgeführt wurden.
Danach ergab sich: Die Unterburg war auf drei Seiten von einer Ringmauer umgeben (die 4. Seite bildet der Burgfels). Zwei Gebäude sind wahrscheinlich: ein talseitig lang gestreckter Bau (auf dessen Grundmauern sich heute die Burgschänke erhebt) sowie eine Felskammer in der Nordostecke, früher bestimmt ein Turm (neuerdings als "Pulverkammer" bezeichnet). Dazwischen lag - erhalten - das Tor zur Unterburg.
Neben diesen Bauten weist die Unterburg viel anstehenden Fels auf. Sein Anteil beträgt ziemlich genau 50 %. Auf dem Fels gibt es ausgeprägte Spuren menschlichen Werkens: senkrecht abgearbeitete Flächen, horizontale Furchen, wo sich Mauerfundamente befunden haben könnten. Schlüssige Deutungen gibt es darüber nicht.
In der Unterburg gibt es einen bescheidenen, heutzutage plattierten Innenhof. Er entstand 1979/80, als unter dem Stichwort "teilweiser Wiederaufbau der Burg Spangenberg" die Burgschänke entstand. Dessen Baupläne beinhalteten die Errichtung eines Kellergeschosses, eines Schankraumes von rd. 75 m2 sowie eines Dachgeschosses. Aus finanziellen Gründen wurde letzteres erst viel später (1987/88 und 2002) ausgebaut (Ritterstube, ein Übernachtungsraum ausschließlich für Burgdiensthelfer sowie ein Büro- und Abstellraum, der gleichzeitig die Heizungsanlage enthält).
Grundsätzlich gilt, dass im Bereich der Unterburg die meisten baulichen Veränderungen der Burg ("Neubauten") vorgenommen worden sind. Dazu zählt auch das komplette Errichten der Ringmauer, die bis auf einen winzigen Teil im Bereich der Tores völlig abgegangen war. Besonders durch letztere Baumaßnahme erhielt die Burg ein geschlossenes Gesamtbild; sie war von nun an vor ungebetenen Gästen absolut sicher. Wasserversorgung von Burg Spangenberg Zu den wichtigsten Dingen bei der Planung einer Burg zählte das Problem der Wasserversorgung. So auch bei Burg Spangenberg. Beim Besprechen der Oberburg war kurz erwähnt worden, dass es dort eine Zisterne gibt. Sie ist auf 2 m Tiefe aus dem Sandstein heraus gearbeitet. Außerdem besitzt sie einen gemauerten Brunnenkranz von 110 cm Höhe. Dieser obere Teil wurde 1980 aus Sicherheitsgründen hinzugefügt. Das Gesamtvolumen beträgt 5,6 m3. Den Burgerbauern war klar, dass sie im Sandstein des Burgfelsens kein Wasser finden würden.

Trotzdem legten sie auf der Burg nur ein Sammelbecken für Regenwasser an und durchbohrten nicht den Fels, um bei rund 80 m Tiefe eventuell in der Talsohle auf Wasser zu stoßen, weil es oberhalb der Burg, in etwa 400 m Entfernung, eine natürliche (Hang-)Quelle gab und gibt, die ausreichend Trinkwasser liefert. Diese Quelle heißt heutzutage Burgbrunnen.
Quelle und Burg waren früher über eine Deichelleitung verbunden. Wie bei der Beschreibung der Mittelburg erwähnt, ist ein solches Deichelstück dort ausgestellt.
Diese "doppelte" Wasserversorgung macht in vielerlei Hinsicht Sinn:
  • Man sparte sich die aufwändige Arbeit des Tiefbrunnenbohrens.
  • Trotzdem konnte man in Kriegszeiten auf die externe Wasserversorgung verzichten. 
  • In Friedenszeiten hatte man frisches Quellwasser bester Qualität.
Der Burgbrunnen liefert noch heute Wasser, selbst wenn man dieses nicht mehr verwendet.

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